Montag, 7. April 2014

Musikhören im Playlist-Zeitalter

Wir haben ein Zeitalter erreicht, in dem das Produkt Musik anders wahrgenommen, konsumiert und produziert wird. Generationen, die vor den 90er-Jahren das Licht der Welt erblickten, wuchsen mit den Wechsel auf die CD auf und der Schritt zum Streamen kam einem Paradigmenwechsel gleich. Heute ist es Alltag. Die Album-Kultur verschwindet, langer und nachhaltiger Künstleraufbau scheint schier unmöglich.




Ich würde mich freuen, wenn ich mit meinen Posts mehrere Dinge erreichen und mehrere Arten von Lesern (und Hörern!) erreichen kann:
  • Menschen meiner Generation, für die der Schritt zu mp3s oder Streaming-Diensten eim genau so großer Schritt war wie der von der DM zum Euro und die damit kämpfen, dass sich Musik-Hören verändert hat
  • junge Menschen, denen nicht klar ist, dass man auch heute noch Spass an „Fan“-Sein haben kann und die eine Strategie benötigen, um sich im Überangebot zurecht zu finden
  • Künstler, die ihre Musik sinnvoll in die Welt bringen wollen
  • Musikschüler, die erstmal Hören müssen, um mit Aufnahmen oder Bands spielen zu können
  • Musiklehrer, die ihre Schüler verstehen müssen, um sie sinnvoll an Musik heranführen wollen
  • ältere Menschen, die die Welt der Musik und ihren Konsum im Internet-Zeitalter verstehen wollen


Ich möchte die Kultur des Hörens bewahren. Das klingt nach einem großen Ziel. Aber es darf nicht sein, dass es als seltsam betrachtet wird, wenn jemand sich mit Kopfhörern und dem Booklet einer Platte oder einer CD hinsetzt, die Augen schließt und hört. Ohne dabei online zu sein oder nach 4 Sekunden weiterzuschalten.

Ich selbst habe mich lange dagegen gewehrt, Musik nur noch online zu konsumieren. Zu sehr schien mein Lebenslauf auf Künstlerseite ausgerichtet zu sein. Musik ist für mich nicht eine Datei. Es gehören zumindest ein physischer Datenträger und ein Booklet dazu. Und dennoch war gerade dies ein Grund, sich mit den gegenwärtigen Fakten einmal auseinander zu setzen. Und das Beste daraus zu machen. Inzwischen bin ich soweit, dass ich mir das aktuelle Pearl Jam Album auf CD gekauft und im Schrank stehen habe. Ich höre es aber fast ausschließlich über Spotify. Das geht bekanntermaßen sogar offline, da ich das Album als Playlist auf dem iPhone gespeichert habe. Und es hat ja Vorteile - ich entdecke nach und nach die Schätze, mit den ich groß wurde und die ich nur noch auf Kassette besitze. Ein Medium, dass man heute wahrlich nicht mehr einsetzen möchte. Und so beschert mir die moderne Welt viele Zeitreisen in die Vergangenheit, Erinnerungen und Emotionen werden wach; und oft bin ich enttäuscht...die Helden meiner Jugend klingen für meine Ohren heute gar nicht mehr so aufregend oder interessant wie damals...meine musikalische Biographie findet also auch vermehrt in Playlists statt.

In meinem nächsten Beitrag geht es zunächst einmal darum, warum die Natur den Sinn des "Hörens" als so wichtig erachtet hat und woran wir dies erkennen.

Bis dahin
Timo


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