"Beim Hören existiert keine
Melodie; die physikalischen Ereignisse sind Stärke und Frequenz der ins
Innenohr an die Haarzellen gelangenden Schalldruckwellen, die als solche
überhaupt nichts mit Hören zu tun haben." - Heinrich Besseler
Man muss den Vorgang des Hörens in zwei - wie wir inzwischen wissen - voneinander getrennte Vorgänge unterteilen:
- der physikalische Vorgang
- die Interpretation im Bewusstsein des Hörers
Der physikalische Vorgang ist relativ klar und bekannt: Schallwellen gelangen über den Gehörgang von außen über das Mittelohr in das Innenohr. Dort werden mechanische Schwingungen in elektrochemische Signale umgewandelt und gelangen in den auditorischen Cortex (Hörrinde). Die entsprechenden Nervenzellen reagieren hier auf diese Signale.
Wie das Ganze nun interpretiert wird (vom Geräusch oder Lärm hin zum musikalischen Empfinden), hängt ab von der Erfahrung, Einstellung und Ausbildung im musikalischen Bereich. Daher gibt es auch einige verschiedene Reaktionen auf Musik:
- motorisch (Fußwippen)
- visuell (Farben sehen)
- vegetativ (Gänsehaut, Herzklopfen)
- psychisch (Angst, Freude)
- kognitiv (Erkennen von Songs und Interpreten)
"Der Beweis für eine genetische Grundlage für Musik steht noch aus, aber die Hinweise darauf häufen sich." - Robert Zatorre, Neuropsychologe
Was genau im Hirn vor sich geht, wenn ein Mensch Musik hört, ist (noch) nicht wirklich geklärt, aber immerhin Teil zahlreicher Studien. Diese sollen viele Thesen und Vermutungen bestätigen.
So soll Musikhören sich auf das Befinden in gesundheitlichen Aspekten positiv auswirken - also nicht nur auf die Stimmung und Emotionen, sondern tatsächlich auch meßbar in medizinischen Größen. Musik wird in dem Gehirn-Areal verarbeitet, das quasi als "Belohnungssystem" fungiert. Dies teilt uns mit, ob etwas wertvoll, wichtig oder gar überlebensnotwendig ist. Glückshormone werden produziert und Angstzustände können sogar bei Patienten gemildert werden. Sogar als eine Art Schmerzmittel kann Musikhören in therapeutischen Sinn eingesetzt werden.
Wer seine Lieblingslieder hört, regt die Dopaminausschüttung an. Dieser Botenstoff ist zuständig für Belohnung...und die Entwicklung von Sucht! Allerdings besteht keine Gesundheitsgefahr, wie z.B. bei Alkohol. Wer seine Lieblings-Alben hört, weiß jetzt also, warum man sich dabei immer so gut fühlt. Die zahlreichen geliebten Stellen lassen uns "belohnt" fühlen und die Vorfreude sorgt für die Dopamin-Ausschüttung.
Übrigens sind bei allen die gleichen Gehirn-Areale aktiv, wenn Musik gehört wird. Der phyikalische Vorgang des Hörens bis hin zur Aktivität im Gehirn ist derselbe. Egal ob Musiker oder nicht, Musikfan oder nicht. Was macht dann also aus, ob uns etwas gefällt oder nicht? Auch das ist noch nicht abschließend erforscht, hängt aber sicher von sozialen und emotionalen Faktoren ab.
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